Interview mit Jules van Maele, Manager & Besitzer des Manta Rhei Dive Centers in Labuan Bajo, Komodo National Park, Indonesien

(english version below)

Stell dich und das Manta Rhei Tauchzentrum doch einmal kurz vor.

Wir sind ein kleines Familienunternehmen und wir haben im Jahr 2014 unseren Dive Shop Manta Rhei eröffnet. Ich bin in der Taucherwelt aufgewachsen, weil meine Eltern schon immer begeisterte Taucher waren, seit ich mich zurückerinnern kann. Sie haben diese Leidenschaft definitiv schon an uns weitergegeben als wir noch klein waren. Immer, wenn wir im Urlaub

waren, haben sie meine Schwester und mich auf dem Boot mit hinaus aufs Meer genommen.

Mein Vater hat in Belgien viele Jahre lang als Tauchlehrer gearbeitet. Als ich 21 wurde, habe ich selbst den Tauchlehrerschein gemacht. Meine Schwester Michelle ist auch in die Fußstapfen unseres Vaters getreten und wurde ebenfalls Tauchlehrerin.

Es war der Lebenstraum meines Vaters, eines Tages eine Tauchschule zu eröffnen. Ich hatte schon einige Zeit als Tauchlehrer in Thailand gearbeitet, als mein Vater und ich gemeinsam einen Tauchurlaub in Komodo gemacht haben. Nach diesem Urlaub waren wir uns sicher: Das ist der perfekte Ort, um unseren Shop zu eröffnen. Denn das Tauchen in Komodo war so ganz anders als alles, was wir vorher erlebt hatten. Das unglaubliche Unterwasserleben und die Vielzahl an verschiedenen Tauchspots haben uns total umgehauen.

Heute haben wir ein sehr engagiertes Team von vier Tauchlehrern und vier Divemastern, die in unserer Tauchschule arbeiten und unterrichten. Wir bieten tägliche Tauch-Trips in den Park an und auch eine Tauchsafari. Da wir ja ein Familienunternehmen sind, wollten wir gerne auch anderen Familien die tollen Erfahrungen ermöglichen, die wir in unseren Urlauben selbst erlebt haben. Dadurch, dass wir unser Tauchzentrum relativ klein halten, können wir einen exzellenten Service anbieten und auf unseren Booten herrscht immer eine relaxte Atmosphäre.

 

Der Park und dadurch auch alle Tauchunternehmen sind jetzt schon seit 3 Monaten geschlossen und immer noch kommen keine internationalen Touristen hierher. Was bedeutet das für dich und eure Tauchschule?

 

Der Stand jetzt ist, dass die Grenzen von Indonesien immer noch geschlossen sind. Bali ist für uns der Maßstab von internationalem Tourismus. Sie planen wohl, ihm September wieder zu eröffnen. Aber das kommt natürlich darauf an, wie sich die globale Situation bis dahin entwickelt.

Der Komodo Nationalpark öffnet nun langsam wieder für lokale Touristen aus unserer Provinz. Aber für die Tauchzentren sind das nicht die Hauptkunden. Deswegen bleiben erstmal alle Tauchzentren hier in Labuan Bajo geschlossen, bis die Situation sich verbessert.

 

Wie reagiert die ganze Region darauf? Schließlich ist die Gegend um Labuan Bajo vor allem wegen des Tourismus über die letzten 10 Jahre so schnell gewachsen.

 

Es ist schon etwas sehr Außergewöhnliches, zu beobachten, wie eine kleine, verschlafene Hafenstadt sich in einen der bekanntesten Touristenhotspots Indonesiens verwandelt. Das hat in der ganzen Region sehr viele Jobs geschaffen und mittlerweile kommen Menschen aus ganz Indonesien, um hier zu arbeiten.

Aber schnelles Wachstum bedeutet auch Probleme. Ich kann nicht leugnen, dass dieser Anstieg des Tourismus die Region und den Nationalpark sehr stark beeinfluss hat. Aber die lokale und nationale Regierung arbeiten da eng zusammen, um sicherzustellen, dass diese Entwicklung nicht außer Kontrolle gerät. Sie haben jetzt einen Plan veröffentlicht, der helfen soll, die Infrastruktur zu verbessern – und gleichzeitig nachhaltig sein und die Umwelt schützen soll. Denn – und das darf man nicht vergessen – die Menschen kommen wegen der unglaublichen Tierwelt und der Natur nach Komodo.

 

Wie schätzt du die wirtschaftliche Situation in und um Komodo ein? Denkst du, dass die meisten Geschäfte sich schnell erholen werden, sobald die Touristen wieder hier sind? Oder gehst du von einem Langzeitschaden aus?

 

Das darf man wirklich nicht auf die leichte Schulter nehmen. Labuan Bajo lebt von den Menschen, die den Nationalpark besuchen. Nur eine Handvoll Restaurants und Hotels sind im Moment geöffnet. Und leider glaube ich, dass sich das in nächster Zeit nicht so schnell ändern wird.

Wie stark die Folgen auf Dauer sind, hängt davon ab, wie lange die Situation noch so bleibt. Die meisten Unternehmen hier haben sich jetzt erstmal damit abgefunden und fokussieren sich auf die Hauptsaison nächstes Jahr. Aber wenn das bis ins nächste Jahr so weitergeht, weiß ich nicht, was passieren wird.

Aber wir müssen jetzt positiv bleiben und abwarten. Auch das wird vorübergehen.

 

Was waren denn normalerweise die Regeln für den Parkbesuch und wie ist es jetzt?

Vor dem Lockdown mussten die Menschen ein Ticket kaufen, um den Nationalpark betreten zu dürfen. Jetzt probieren sie gerade ein neues Online-System aus, um die Chance eines Corona-Ausbruchs möglichst gering zu halten. Bevor Gäste nach Komodo kommen, müssen sie sich jetzt auf einer Online-Plattform registrieren und innerhalb von 2 Wochen einen (negativen) Schnelltest vorweisen. Wenn sie dann hier am Flughafen ankommen, müssen sie dieses Testergebnis zeigen. Alle Angestellten, die in Labuan Bajo oder im Park selbst arbeiten, mussten sich auch einem Test unterziehen.

copyright: Manta Rhei Dive Centre / Michelle van Maele

 

Siehst du vielleicht auch positive Entwicklungen in dem Lockdown – zum Beispiel, dass sich das Leben unter Wasser wieder ein wenig erholen kann von den immer mehr werdenden Tauchtouristen? Wie beeinflusst es denn den Park, wenn keine Boote und keine Touristen unterwegs sind? (Und wie sieht es mit Fischern und Wilderern aus, sind die jetzt unterwegs?)

Die Ranger des Nationalparks patrouillieren immer noch den Park, um Fischer und Wilderer fernzuhalten. Sie haben jetzt sogar begonnen, mit Hubschraubern über die Außengrenzen des Parks zu fliegen.

Seit Beginn des Lockdowns ist die Fischerei zurückgegangen. Normalerweise bedient die Fischereiindustrie hier die ganzen Restaurants und Hotels. Seit dem Lockdown ist der Fischmarkt aber stark eingebrochen. Wir sehen mehr Locals, die rausfahren, um für ihre Familien zu fischen und die Zeit herumzukriegen.

 

In der Hafengegend wimmelt es normalerweise ja nur so vor Plastik. Könnt ihr da eine Veränderung sehen? Verwenden die Menschen jetzt immer Masken, Einmalhandschuhe und mehr Verpackung wegen der Pandemie oder seht ihr weniger Verschmutzung, weil weniger Menschen da sind?

Wir sind total glücklich darüber, dass die Menschen in der Stadt sofort wiederverwendbare Masken und Handschuhe verwendet haben. Die Stadt ist so still, und ich sehe definitiv weniger Plastik und Müll herumfliegen. Indonesien hatte ja schon immer ein Riesenproblem mit Einweg-Plastiktüten und Verpackungen. Klar, in der Stadt gibt es immer noch große Herausforderungen was das Müllmanagement und das Bewusstsein für Müll angeht. Aber es macht Mut, zu sehen, dass es ständige Verbesserungen gibt. Da gerade keine Boote auf dem Wasser zu finden sind, war das Wasser im Hafen wahrscheinlich nie so kristallklar wie jetzt!

 

Hattest du die Chance, mal einen Tauchgang zu machen während des Lockdowns? Oder vielleicht eher: wie waren die ersten Tauchgänge nach dem Lockdown?

 

Letzte Woche sind wir mit unserem Boot in den Park hinausgefahren, das war ein Testausflug, um die neuen Regularien auszuprobieren. Wir haben uns so gefreut, weil das Unterwasserleben wirklich blüht! Wir haben definitiv mehr Fische und Haie gesehen als sonst. Und sogar einen Mantarochen haben wir bei unserem ersten Tauchgang im Park gesehen!

 

Wie werden die nächsten Monate für dich aussehen?

Wir versuchen natürlich, Nachrichten zu schauen und uns auf dem Laufenden zu halten, falls es zu Veränderungen kommt. Da wir wissen, dass die internationalen Touristen wahrscheinlich frühestens im September zurückkehren, haben wir unseren Fokus auf diese Zeit verlegt. Es ist wohl das Beste, die Situation nicht zu sehr zu überdenken und langsam, Schritt für Schritt, zu handeln.

Mehr Infos zu Manta Rhei gibt es auf ihrer Website: https://www.mantarhei.com/
Meldet euch gerne bei Fragen oder Anregungen!

ENGLISH VERSION:

Short Introduction to yourself:

 

We are family business that started Manta Rhei back in 2014. I grew up with scuba diving because my parents were avid divers ever since I can remember. They definitely passed on the dive bug when we were young. Whenever we were on holidays, they would take my sisters and me out on the boat.

 

My father has been an instructor in Belgium for many years. When I turned 21 I became an instructor myself. My sister Michelle also followed my fathers‘ footsteps and became a dive instructor.

 

It was a lifelong dream of my father to start a dive center. I was already working as an instructor in Thailand when my father and I went on a diving holiday to Komodo. After our holiday we knew this would be the place to start a dive center. The diving in Komodo was something we never had experienced before. The incredible underwater life and range of different dive sites had us overwhelmed.

 

Today we have dedicated team of 4 instructors and 4 divemasters guiding and teaching at our center. We run daily trips and a liveaboard. As a family business, we wanted to offer the same family experience when we are going on holidays. Keeping our dive center small enables us to provide an excellent service and a relaxed atmosphere on our boats.

 

The park and hence all dive businesses have been closed for over 3 months and still there are no international tourists coming in. What does that mean for you and the dive center?

 

As it stands now the borders of Indonesia are still closed. Bali is the benchmark for international tourism. They are planning to reopen in September. Depending on the situation is improving globally of course.

 

Komodo National Park is now reopening for local tourist from our province. But for all dive centers here that is not our main customer. So almost all dive centers here in Labuan Bajo are closed until the situation improves.

 

How is the whole region reacting to that since the area of labuan bajo grew so fast because of tourism over the last 10 years?

 

To witness a sleepy harbour town grow into one of the most famous tourist spots in Indonesia is extraordinary. It has created a lot of job opportunities for the region and has people come from all over Indonesia to work here.

 

Growing fast also means growing pains. I can’t deny that the increase in tourism affected the region and the national park. But the local and national government are working hand in hand to make sure this development goes out of control. They have come up with a plan to help grow the infrastructure and keep sustainability and the environment as a priority. After all, people come here for the incredible wildlife and nature of Komodo.

How do you see the economical situation in and around komodo? Do you think most shops will recover soon, once there will be tourists coming again, or will there be long term damage?

This has been nothing short of devastating. Labuan Bajo thrives on people visiting the national park. Only a handful of restaurants and hotels are open at the moment. Unfortunately, I don’t see this situation change soon.

 

The long term effect will depend on how long the situation goes on. Most companies here have come to terms with it and are focussing on next years high season. But if this lingers on until next year I don’t know what will happen.

 

But we have to stay positive and sit tight. This too shall pass.

 

What were the rules for entering the park and how is it now?

Before the lockdown, people had to buy a ticket to enter the national park. Now they are testing a new online system to minimise the chance of an outbreak. Before coming to Komodo guest need to register on the online platform and proof of rapid test within 2 weeks. Upon arrival at the airport you need to show this proof. All employees working in Labuan Bajo or in the park need to have done testing as well.

Do you see a good thing in the lock down, that the marine life can regenerate a little bit from the higher and higher frequented dive tourists? How does it affect the park when there are no boats, no tourists? (Fishermen still there? Poachers?)

The national park officers are still patrolling the park to keep fishermen and poachers away. They even started using helicopter patrols to cover the outskirts of the park.

 

The fishing has decreased since the lockdown. The fishing industry here supplies all the restaurants and hotels. Since the lockdown, the fish market is a fraction of its original size. We do see more locals going out fishing for themselves to feed the family and pass the time.

 

Since in the harbout region there is a lot of plastic in the water: can you see any difference now, is there more masks, gloves or packaging because of the pandemia or is it less because less people there?

 

We’re very happy to see that people in town immediately chose to use reusable masks and gloves. Since the town is so quiet I definitely see less plastic and garbage here. Indonesia has always had a problem with single-use plastic bags and packaging. The town still has many challenges on waste management and awareness. But it’s encouraging to see steady improvement. Since no boats have been going out the water in the harbour has never been so crystal clear!

 

Did you have a chance to sneak in for a dive during the lockdown? Or now officially… how were the first dives after the closure?

 

Last we week we went out with our boat into the park as a test trip under the new protocols. We were so happy to see that marine life was thriving! We definitely saw an increase in fish and more sharks than normal. We even saw a manta on our first dive back in the park!

What is your outlook for the next months?

We’re trying to follow the news and keep up if there are any changes. Since we know that international tourism will most likely return in September we have our focus set on this time frame. It‘s the best thing not to overthink the situation and act one step at a time.

 

Please find more about Manta Rhei here:
https://www.mantarhei.com/
Feel free to comment below or contact us anytime 😊
Please follow and like us:

Leave a comment

Zum Newsletter Anmelden

Ich möchte als erstes News zu den neuen Caps erhalten und unregelmäßig exklusive, persönliche Einblicke mittels des Mantahari Newsletters (by Mailchimp) erhalten.
Abbestellen des Newsletters ist jederzeit möglich, mehr dazu und zur Datennutzung in unserer Datenschutzerklärung.